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 | luckyangel [luckyangel@epost.de] am 01.03.03 um 20:39 Uhr |
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"Nu war isch auch drinn!"
Beeindruckend war für mich, daß am Schluß, wenn die zarte Klaviermusik zum Abspann überleitet, die Leute im Saal mucksmäuschenstill waren und ganz leise und getragen rausgegangen sind. Es klingt so nostalgisch und stimmt erwartungsfroh, wenn es heißt, eine DDR-Komödie. Daß aber dem Filmensemble gelungen ist, derart tief an den Gefühlen zu rühren (die für sich allein ohne DDR genauso funktionieren), macht den Film eben auch für Jugendfreunde oder Bürger aus dem NSW (Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet) sehenswert. Mein 12jähriger Sohn (geb. Ende Oktober 1990) fand es auch sehr schön, hier sah er mal in Bilder gegossen, was er sonst nur erzählt bekommt.
Vielen Dank für den Film, mit sozialistischem Gruß, Luckyangel |
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 | Steffen am 01.03.03 um 16:34 Uhr |
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@ Janet (vom 28.02.)
Hallo Janet,
da hast du mich aber eiskalt erwischt ... aber das denkst du auch nur. ;-)
1. Ich habe bestimmt nichts vergessen, aber der Eindruck könnte u.U. durchaus entstehen. War doch das Leben in Berlin (Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik) nur bedingt mit dem Leben des Restes der Bevölkerung "auf dem flachen Lande" vergleichbar. Ich vertrete nach wie vor die Ansicht, das Berlin nie zur DDR gehört hat, sondern immer ein Staat im Staate war, welcher mit den restlichen Bezirken lediglich eine, ziemlich einseitige, symbiotische Beziehung eingegangen war.
2. Grundsätzlich kann ich dir versichern, das ich von den 22 Jahren, welche ich in der DDR zugebracht habe, nicht einen einzigen Tag missen möchte! Ich bin da geboren und aufgewachsen, habe stets meine Meinung vertreten und bin deshalb trotzdem niemals verfolgt worden. Auch ich habe eine Akte, in welcher mir ein Klassenstandpunkt abgesprochen wurde, was mir damals wie heute ziemlich am A**** vorbei geht und dennoch habe ich niemals gelitten, im Gegenteil das Leben damals hat mir viel Spaß gemacht, oft mehr als heutzutage. DDR-Bürger gewesen zu sein ist aber bestimmt auch nichts, auf das man stolz sein müsste ... jedoch muss man sich auch noch viel weniger dafür schämen. Genau so wenig braucht man stolz sein, Deutscher zu sein. Deshalb habe ich das auch übersprungen und bin am 3.10.1990 vom DDR-Bürger zum Europäer geworden.
3. Was nun den "Ami-Mist" angeht, so rennst du bei mir durchaus offene Türen ein, wenn gleich man das natürlich differenziert betrachten muss. Grundsätzlich möchte ich aber zu diesem Punkt noch eines ausführen, ohne dann aber noch weiter vom Thema abschweifen zu wollen. Auch ich bin gegen einen Krieg im Irak, u.a. wegen dessen unabsehbarer Folgen. Ebenfalls bin ich gegenüber den USA, nicht zuletzt wegen deren überheblicher Art gegenüber dem Rest der Welt, generell eher kritisch eingestellt. Was ich Bush & Co. aber am meisten übel nehme ist die Tatsache, das sie mich im Nachhinein zu dem Eindruck verleiten, das Ulbricht, Honnecker, von Schnitzler und wie sie alle hießen, bis hin zu meinem damaligen Staatsbürgerkunde-Lehrer, vielleicht doch nicht so ganz unrecht hatten.
Ciao,
Steffen
PS: Im ganzen Saal (Cinelux Troisdorf, 26.02.03, 17:15 Uhr, ca. 25 Leute) war tatsächlich kein Lachen zu hören. Großes Pionier-Ehrenwort! ;-) |
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 | Jasmin [jasminfuhr@t-online.de] am 28.02.03 um 05:20 Uhr |
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Hab den Film gesehen und war begeistert!!!! Was mir jedoch nich so gefallen hat, waren die vereinzelten Gags drin! Das kam mir so vor als wollte der Film mehrere Klischees erfüllen, als wollte er nachdenklich machen, lustig sein, Geschichte vermittlen und so weiter; so praktsich nach dem Motto: he, geht rein, da iss für jeden was dabei!
Auch hätte der Film durchaus mit weniger Text auskommen können, indem man allein die Bilder hätte sprechen lassen (was aber an einigen stellen auch phänomenal funktioniert hat, z.B. die Szene, als die Mutter zum ersten Mal, nachdem sie aus dem Koma erwacht ist, auf die Strasse läuft und die Veränderung um sie herum mitbekommt: ganz grosse Klasse!!!) Auch gut: der Film hat kein (direktes) Happy End, die Handlung ebbt zwischendrin nicht ab und der Film bleibt spannend bis zur letzten Minute!!! Alles in allem ein grosser Film!!! WEITER SO!!!!
Ach, und übrigens die Musik: ein TRAUM!!!! |
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 | Peter [peter@dergrossebruder.net] am 27.02.03 um 19:59 Uhr |
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Guter Film. Leider wird die Mischung aus Tragödie und Komik oft als Satire aufgefaßt. Oder noch schlimmer - wie es sich auch hier im Forum zeigt - wird der Film als massentauglich vermarktbare Komödie gefeiert. Das ist ganz und gar kein Ostalgie-Film. Auch wenn ihn bestimmte Leute aus marketingtechnischen Gründen gern dazu machen wollen. Die Figur der Mutter - hervorragend durch Katrin Saß gespielt - ist keine Figur aus der Vergangenheit, welche es zu bewältigen gilt. Ich wünsche mir, daß der Film auch als ernsthafte Anfrage an die heutige Gesellschaft gesehen wird. Denn gerade als amüsante Tragödie hat er das Potential, Massen anzuziehen und auf Probleme aufmerksam zu machen. Besonders gut fand ich, daß die Figur der Mutter nicht einseitig positiv dargestellt wurde. Auch die Nebenrollen sind gut in Szene gesetzt. Jede einzelne könnte für viele Ostdeutsche mit ihren je spezifischen Wendeerfahrungen stehen. Die Film-Kritik der Welt ist übrigens traurig aber trifft wohl die Auffassung der meisten Kinogänger, die den Film als bloßen amüsanten Rückblick in die zu überwindende Vergangenheit sehen. Es sind genau jene, welche die Vergangenheit damals nicht begriffen haben und welche sie heute ebenso wenig wie die Gegenwart verstehen können und wollen. Es liegt an den Menschen, die ins Kino gehen, ob der Film zum bloßen Ostalgie-Event verkommt oder ob er Ost und West über sich, ihre Zukunft und ihre Vergangenheit nachsinnen läßt.
"Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert die Vergangenheit." [George Orwell] |
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 | Steffen am 27.02.03 um 11:36 Uhr |
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Ich (Vogtländer (35) und der Arbeit wegen ins Rheinland emigriert) habe mir gestern hier mit meinem Nachbarn (ebenfalls Ossi) den Film angeschaut.
Nach all dem, was ich in den letzten Tagen gelesen und gesehen hatte, war ich aber maßlos enttäuscht. Eine "Komödie" ohne irgend etwas zu lachen und das kann ich für den gesamten Saal sagen, manchmal vielleicht etwas zum schmunzeln, so z.B. dieser Mutanten-artige Siegmund Jähn als Staatsratsvorsitzender am Schluß. Sowas entsteht eben, wenn sich Wessis Gedanken über das Leben in der DDR machen. Ganz, ganz fürchterlich "PC" (political correctness) und moralin-sauer. Ich hatte mich auf einen schönen Abend gefreut, mit viel zu lachen, was m.E. das Thema durchaus hätte hergeben können. Da ziehe ich doch "Sonnenallee" deutlich vor, trotz ein paar weniger Kritikpunkte.
Sollte sich wieder mal jemand an das Thema heranmachen wollen, so empfehle ich eine Verfilmung des Romans "Bloß gut, dass es uns noch gibt!" (Familie Lehmann und der 51. Geburtstag der DDR) von Jörg Mehrwald ... meines Wissens auch ein Wessi, aber nichtsdestotrotz einfach genial!
Alles in Allem also eine herbe Enttäuschung und keine Chance, das ich mir den Film (wie geplant) am Dienstag nochmal antun werde. Die Werbung für Spreewald-Gurken (siehe Liste der Kooperationspartner) hätte man auch einfacher und billiger haben können. |
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 | Estelle am 27.02.03 um 10:43 Uhr |
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Schade, dass einige Leute anscheinend doch schon viel vergessen haben.
Ich habe den Film gesehen und war wirklich sehr angetan. Vor allem die Detailtreue hat mich beeindruckt. Außerdem fand ich total gut, wie versucht wurde, die Wertvorstellungen darzulegen, was m.E. sehr gut gelungen ist. Denn viele Ansichten und Meinungen waren damals tatsächlich so, wie im Film dargestellt. Weiterhin hat mich der Tiefgang des Films berührt. Er unterscheidet sich dadurch komplett von anderen Filmen wie z.B. Sonnenallee. Die meisten im Osten aufgewachsenen werden sich gut in den Film hineinversetzen können. Bei manchen Szenen hatte ich richtig Gänsehaut, wie z.B. als Lenin vorbei geflogen kam, das war ganz toll gemacht. Also Autor und Regisseur haben sich richtig intensiv mit dem Thema beschäftigt und vor allem auf ernste Weise. Ich fand es super, wenn einige darüber schimpfen, liegt das entweder daran, dass sie einfach zu jung waren als es passierte oder sie sich nie mit der Vergangenheit auseinandergesetzt bzw. schon zu viel vergessen haben. Redet mal mit euren Eltern. |
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