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 | MCM [best.mcm@t-online.de] am 21.03.03 um 10:23 Uhr |
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Hallo zusammen,
ich habe mir diesen Film angeschaut, und dachte mir schaust du mal in das Forum bei GBL um gewisse Eindruecke zu erhaschen. Durch diverse GB Eintraege wurde bei mir auch die Ambition geweckt mich zu diesem bewegenden Film zu aeussern.
Als ich im Kino (in Bayern) sass, hoerte ich teilweise Stimmen die diesen Film, obwohl noch gar nicht gesehen, mit Sonnenallee auf eine Stufe stellen wollten. Sprich sie wollten sich schlapp lachen ohne nachzudenken. Am Anfang des Filmes wurde in jeder Ecke ueber jede Kleinigkeit gekichert, da fiel Katrin Sass einem Herzinfarkt zum Opfer (Lachen), da wird der ehemalige Direktor (?) zum Alkoholiker (Lachen) usw. Das Gekichere verflachte dann aber zu nehmenst, als man merkte, dass dieser Film auch etwas geschichtlich aufklaerendes hat.
Dieses geschichtlich aufklaerende, spielt fuer mich in diesem Film allerdings nur die zweite Rolle.
Der Vordergrund ist doch der, dass Alex alles moeglich fuer seine Herzkranke Mutter unternimmt, damit sie in Frieden IHREN Frieden finden kann.
Trotz alle dem, moechte ich diesen Film nicht missen in der Reihe der nOSTalgischen Filme, weil er wie kein anderer Film beschreibt mit was fuer Kleinigkeiten sich der "Neubuerger" kurz nach der Wende herum schlagen musste. Ob der eine das nun zum Lachen findet oder der andere bei manchen Szenen nachdenklich wird (staendiges Gemeckere von Ez- Motzki Darsteller) ist jedem selber ueberlassen.
Das wichtigste aber ist, dass man mit einer Menge Erfahrungen aus diesem Film geht und unbedingt ein 2. mal hinein gehen muss. |
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 | SUSANNE [Pittiplatschi-Z@web.de] am 20.03.03 um 07:39 Uhr |
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Über diesen Film wurde hier schon so viel geschrieben, dass ich meinen Senf nicht auch noch dazugeben will, nur so viel: Wer immer diesen Film als Scheiss, unrealen Quatsch etc. bezeichnet, der hat den Sinn des Ganzen nicht verstanden. Es handelt sich weder um bewusste Vergangenheitsbewältigung noch um die Idealisierung einer Ära, die sich kein vernünftig denkender Mensch zurückwünscht. Es ist einfach nur ein Film, den man mögen kann oder auch nicht PUNKT Ich liebe Ihn… und ganz ehrlich: Ich hab geheult wie ein Schlosshund, auch noch nach dem 3. Anschauen. Denn im Gegensatz zu vielen Wessis, die mit grossem Fragezeichen auf der Stirn oder einem breiten Grinsen auf den Backen den Kinosaal wieder verlassen haben, wurde ich, die ich die DDR als Kind erlebt habe, an so viele Kleinigkeiten erinnert, die schon vergessen zu sein schienen. Und sei es nur das kleine Pittiplatsch-Püppchen, dass im ersten Drittel des Films (Truppenaufmarsch zum 40. Jahrestag) vom Schrank geschüttelt wird. Zur Zeit der Wende war ich erst 11 Jahre alt, eigentlich unwissend, welch einen weltgeschichtlich bedeutenden Augenblick ich da grade miterlebe… Meine Güte, heute, mit 24 hab ich das Ganze noch nicht wirklich kapiert! Niemand, der die DDR nicht live und in vollem Bewusstsein (damit meine ich als Erwachsener) miterlebt hat, sollte irgendwelche Äußerungen machen, die er nicht wirklich vertreten kann. Und wenn ich hier lese, dass sich manche Leute (Ossis als auch Wessis) wünschen, dass die Mauer wieder aufgebaut werden würde (sei es nun erst gemeint oder nur ein dummer Scherz), dann kommt mir schlichtweg das Kotzen!!!
Der Sozialismus/Kommunismus ist eine Utopie und ist als solche zum Scheitern verurteilt, wie ja viele Beispiele aus der Vergangenheit zeigen.
Nur mit Gewalt durchsetzbar und nicht überlebensfähig. Ich zitiere tocotronic (die dies in einem anderen Zusammenhang sangen): „die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit“…
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 | WELT-Kommentar am 19.03.03 um 13:39 Uhr |
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Lutz Rathenows Kommentar in der WELT vom 19.03.2003:
"Good Bye, Lenin!" heißt der allseits diskutierte Erfolgsfilm. Er steht für eine Sicht auf die DDR, die auch während der Buchmesse in Leipzig bestimmend sein wird. Während sich samt ihrem Geld die DDR zu verabschieden beginnt, mutiert sie im Film zum besseren Deutschland. Sie wird vom ersten Kosmonauten dieses Staates regiert, der sich plötzlich abseits der Satire in eine plausible Möglichkeitsform verwandelt hat. Das ist mehr als Ostalgie, das ist Neuerfindung.
Die DDR gerät immer spannender, seit und weil sie verschwunden ist. Auch für Westdeutsche. Die einen lenken sich und ihre Unzufriedenheit mit der bundesdeutschen Gegenwart ab. Für andere sind es ein paar exotische Details mehr, die eine ins Globale driftende Popkultur beleben.
Das Bürgerkomitee Leipzig protestierte gerade gegen drohende Kürzungen bei der "Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur". Warum noch aufarbeiten, mögen sich einsparsüchtige Politiker denken, wenn man Vergangenheit geschäftlich vermarkten kann. Sollen die doch in der Stasiknast-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen die Zellen vermieten und Sado-Maso-Parties im DDR-Outfit anbieten. Der neue Popsozialismus ist sowieso eine Erfindung des Westens und seines Marktes.
Ein Engagement ohne Risiko: Man kann fast alles an der DDR chic finden, weil der Staat nicht zurückkommt. So entdeckt man um die Wette das Bessere. Sogar in der Bildung, deren letzte Ministerin Margot Honecker - Pisa sei Dank - plötzlich in Kommentaren und einer Autobiografie zur interessanten Bildungspolitikerin emporgedeutet wird.
Als exquisit gilt längst das DDR-Design, es soll schon damals moderner gewesen sein. Studien beweisen das anhand diverser Mixgeräte oder der Ausformung von Staubsaugern immer wieder. Und in der Berliner Karl-Marx-Allee zeigt die realsozialistische Architektur ihre charmante DDR-Umsetzung sowjetischer Vorgaben. Nicht umsonst steht die Allee unter Denkmalschutz. Als habe sie immer darauf gewartet, Kulisse für Filme, Werbespots und Videoclips in Zeiten des Turbokapitalismus zu sein. Bestseller über "Zonenkinder", wie der Titel des letztjährigen Erfolgsbuchs von Jana Hensel lautete, oder Diskurse über ein Buch mit dem Titel "Die Ostdeutschen als Avantgarde", das jetzt in Leipzig vorgestellt wird, ermöglichen dem Nichtostdeutschen das gute Gefühl, problemsensibel zu sein. Die Zonenkinder sind jene nur noch DDR-kindheitsgeprägte Generation, die zu jung war, um bis 1989 unangenehme politische Erfahrungen mit dem Staat gemacht zu haben. Und in punkto Avantgarde handelt es sich wohl um ein Kompensationsgeschäft: Wer keine wirtschaftliche Perspektive hat, soll sich wenigstens als Avantgarde fühlen dürfen.
Während in der Wirklichkeit die Menschen aus den neuen Bundesländern ihre Heimat Jahr für Jahr zu Tausenden verlassen, bieten Kunst, Reportagen und wissenschaftliche Studien Aufmerksamkeit als Trost. Und da habe ich noch gar nicht die DDR-Prinzipien der inneren Sicherheit bedacht. Anschläge und Terror gab es da nicht - bis auf den, der gelegentlich vom Staat ausging. Die DDR scheiterte als Utopie und gerät so endgültig zu einer ebensolchen. Sie ist nicht mehr zu widerlegen, nur noch zu deuten. Sie wird zur Glaubensangelegenheit und zum medialen Selbstbedienungsangebot. Und vielleicht zur einzigen Sozialismusvision, die im Laufe der Zeit an Strahlkraft gewinnt.
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 | Jothaka [jothaka@web.de] am 18.03.03 um 05:14 Uhr |
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nach 2h habe ich das Forum (Gaestebuch wohl triffts wohl eher) durch.Irgendwie habe ich mich bei vielen Beitraegen mehr beim Schwarzen Kanal und bei Gerhard Loewenthal gefuehlt. (Gottseidank koennen beide nix mehr sagen).Meinereiner kommt aus dem jetztigen "Tor Ostthueringens" Gera. Bei gelegentlichen besuchen dort, kommt bei mir auch immer wieder Wehmut auf. Ich war soagr mal als einer aus der dedereh Stolz auf diese Stadt. War wohlgemerkt. Mitlerweile ist sie verunstaltet, und ob nun die kleinen Laeden und Firmen aufgrund der DDR"Wirtschaftspolitik" kaputtgemahct wurden sind, oder wie jetzt durch immer mehr Kaufhaeuser, auch noch mitten im Zentrum, da sehe ich nun keinen Unterschied. Beids ist falsch. Was mir am meissten aufgefallen ist ich sehe Kinder /Jugendliche bis 16-18-19, und dann wieder Menschen so ab 40Jahre. Dies verhilft auch nicht unbedingt sich wirklich in einem einig deutschem Vaterland sich zu befinden.ICh weiss es aus eigener Erfahrung das in der DDR vieles nicht gut war (dank diverser Kinderheimaufenthalte sogar recht intensiv). Aber der Meinung einiger Altbundesbuerger und Ex-DDR-ler kann ich absolut nicht zustimmen das diejenigen die sich hier durch GbL an viel positives an die DDR erinnern, etwas heftig angemacht werden. Jeder aht andere Erlebnisse ind er DDR gehabt. Die einen Mehr die anderen Weniger. MIr ging es auch so. Was ich so nicht gedacht haette. Das Gemeinschaftsgefuehl, der Umgang miteinander der fehlt mir auch heute noch.
Einige haben geschrieben das in der DDR ein einig voelkisch miteinander geheerscht hat. Ich kann mich aber erinnern das ich genuegend Pruegeleien [eider sehr einseitig :-((] mit Nazis hatte. Ausserdem wurden die "Gaeste" aus dem befreundeten Ausland auch nur in Ghettoas gesteckt. wer aus der DDR hatte wirklich viel Kontakt mit den Mongolen, den Angolaner, den Vietnamesen usw.? Das War doch garnicht gewollt.
Gefluegelte Jahresendfigur stammt meiner Erinnerung aus einer Satire des Eulenspiegels (auch heute noch zu empfehlen) noch zu DDR-Zeiten.
"Good bye Lenin" finde ich ist ein saugenialer Film, mit einem sauber ausgearbeiteten Plot. Er hat doch nur anhand der Mutter gezeigt das man fuer die DDR sein konnte ohne ein 200%iger zu sein. Es ist halt wie immer, es gibt nur sehr selten Schwarz und Weiss, meissten sind es doch nur Grautoene. Dies zeigt der Film in meinen Augen auf eine sehr ehrliche Art und Weise.
Respekt vor dem Filmteam, und meine Verneigun vor karin Saß.
dann mal mit
Sozialistischen Gruss
Genosse
Jothaka ;-) |
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 | Leander [haetzfeld@aol.com] am 17.03.03 um 18:16 Uhr |
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Kann man sich in einen Film verlieben ?
Seit ich "Good Bye Lenin" vor etwas mehr als einer Woche zum ersten Mal sah, geht mir dieser großartige Film nicht mehr aus dem Kopf.
Wenn man Alex auf seiner Schwalbe durch Berlin fahren sieht,er in einer lauen Sommernacht über den Dächern der Stadt die Ostmarkscheine regnen lässt, so ist das geradezu ein Lebensgefühl, zwischen "Spreewaldgurken- und Mocca-Fix-Gold-Romantik" und diesen herrlich hässlichen alten Tapeten.
Die poetische Sprache der Bilder dieses Films, angefangen bei den alten Postkartenmotiven des Vorspanns bis zu der herrlich träumerischen Fahrt mit "Siegmund Jähn", weckt Sehnsucht nach einer guten alten Zeit, die es so nie gegeben hat.
Trotz ärgerlicher und vermeidbarer kleiner Fehler (Ford Mondeo auf dem runterfallenden Hintergrundbild der gefakten "Aktuellen Kamera", sowie die auf Productplacement hindeutenden, zu neuen Westverpackungen)ist der Film ein einzigartiges Gesamtkunstwerk. Dank der wundervollen Filmmusik (nicht nur die von Yann Tiersen komponierte, sondern auch die anderen Stücke, wie diese geheimnisvoll träumerische Bauchtanzmusik, oder die Band auf der Gartenparty des Vaters),der wunderbaren kleinen Details (göttlich die Szene, als Alex im Supermarkt diese seltsame Werbefigur entdeckt) und der großartigen Schauspieler. Neben den Hauptdarstellern möchte ich besonders Michael Gwisdek hervorheben, einen, wie diesen im Grunde bedauernswerten Klapprath würde man sich als Onkel oder Großvater wünschen.
Auch mich hat der Film zu Tränen gerührt, nicht nur wegen der tragischkomischen Geschichte von Alex und seiner Mutter, sondern auch, weil es sehr traurig ist, dass von jener Euphorie nach dem Mauerfall nichts mehr übrig geblieben ist.
Kurz gesagt, ein großartiges Werk, dass mich noch sehr lange in Gedanken begleiten wird. Ich werde mir den Film sicher noch öfters ansehen und schon jetzt warte ich sehnsüchtig auf die DVD.
Einstweilen werde ich meine Bude ein wenig auf "Good Bye Lenin" umdekorieren (mit jenen alten Tapeten) und würde mich sehr freuen, wenn sich Gleichgesinnte bei mir melden würden. |
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 | huba [hubabarath@gmx.de] am 17.03.03 um 11:30 Uhr |
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Liebe Filmschaffende und Filmfreunde
auch ich war begeistert von der Story dieses Films und der Leistung fast aller Beteiligten. Auch der Erfolg dieses Films läßt endlich für die kränkelnde deutsche Filmindustrie hoffen.
Obwohl ein Grund für diese "Krankheit" gerade in diesem Film offensichtlich wurde und "Good by Lenin" in einem Maße abwertet, den der Film eigentlich nicht verdient hätte.
Wer, um Himmels willen, hat den Ton geangelt?
Das Mikro war in fast jeder Nahaufnahme am oberen Bildrand zu sehen und sorgte deswegen zunehmend für Unruhe im Kino, die natürlich vom Film selber ablenkte.
Ein Fehler, den ich mir bei meinem Abschlußfilm für die "Mediengestalter Bild & Ton" Prüfung nicht hätte erlauben dürfen.
Deswegen frage ich mich auch, warum in unserem Land zunehmend qualifiziertes Personal für Film und Fernsehen ausgebildet wird, dieses Potential aber ungenutzt bleibt? Statt dessen wird die alte Vetternwirtschaft bei der Besetzung von Filmcrews fortgesetzt. Denn dieser Tonangler kann keine Ausbildung genossen haben. Wenn doch, muß er die gesamten Dreharbeiten über besoffen gewesen sein.
Aus diesem Grund erfolgt an dieser Stelle mein Aufruf an die deutsche Filmindustrie:
Bitte seht euch gründlich um auf dem Arbeitsmarkt, wenn Ihr an die Besetzung solch erfolgversprechender Projekte geht und befreit euch endlich von der Vetternwirtschaft, denn dieses System hat sich im deutschen Film nicht bewährt.
"Mediengestalter Bild & Ton" sind hervorragende Alternativen dazu, denn sie werden mit einem breiten Wissen für Film-und Fernsehen
ausgestattet und auch ausführlich geprüft bevor sie sich so nennen dürfen. Deswegen bieten diese Arbeitskräfte eine gewisse Garantie dafür, daß so etwas nicht passiert.
In der Hoffnung, daß sich was ändert,
Huba Barat
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