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 | Bernd am 01.12.05 um 02:41 Uhr |
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Jahrgang `58, in der DDR aufgewachsen, `89 über Ungarn abgehauen und bis auf den heutigen Tag nicht richtig angekommen (symptomatisch für meine Generation?...) sehe ich in diesem Film vor allem den rührenden Kampf eines Sohnes um seine Mutter. Nicht mehr und nicht weniger. Nach "Sonnenallee" und "NVA", um aktuelle "Komödien" zu benennen, wird auch bei "Good bye Lenin" das Thema nur oberflächlich gestreift. Wisst ihr, wo ICH schallend lachte?.
Als M.Gwisdek als betrunkener EX-Schulrat dem Protagonisten die Flasche "Blauer Würger" hinhielt und hauchte: "Willste auch`n Schluck?". Eigenartigerweise lachte niemand im Saal. Kein Wunder, es war das York-Kino in Berlin/Kreuzberg und ich vermutlich einer der wenigen EX-DDR-Typen.Ein Glück, daß M.Gwisdek das spielte. Nichts dagegen zu sagen, daß ein Westdeutscher diesen Film machte. Nichts dagegen zu sagen,daß man dem Thema "DDR" ironisch zuleibe rückt. Aber die Resultate sind letztlich nicht überzeugend, weil nicht den Kern erfassend. Dabei bietet dieser Stoff so unglaublich viele Möglichkeiten. Man muß keine Gags erfinden, sondern nur das damalige Leben schildern. Wo bleiben die Regie-Altstars des Osten, die diese Leistung mühelos bringen könnten?. Schauspieler wie M.Gwisdek, K.Thalbach oder Henry Hübchen stellen es in ihren Rollen doch unter Beweis. Filme, wie "Die Datsche" sind gute Anfänge. |
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 | hoppelhase [hoppelhase@veb.de] am 08.11.05 um 22:11 Uhr |
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nein sie hätten nicht weinen sollen. und vor allem hätten sie sich nicht schon wieder fragen sollen, was sie falsch machen könnten. es geht überhaupt nicht um richtig oder falsch.
ich habe in dem film wahrscheinlich etwas gesehen was vielen verborgen bleibt. meine gedanken kreisen halt manchmal umständlichere wege, und deswegen war mir der witz des films nicht entschlüsselbar. wenn die leute über sich selber lachen, dann meine ich damit, das sich erstens bestimmt jeder ossi einmal die frage gestellt hat alle zelte in der ddr abzureißen und einfach abzuhauen. psychologen als auch philosophen sehen das verlassen als einen der hauptangstgründe des menschen. zu zweitens komme ich später. also verlassen heißt: wir hatten bekannte, welche 1989 urlaub in ungarn machten. die kamen wegen der politischen situation nie mehr aus ihrem urlaub zurück. wäre die mauer nicht gefallen, hätten sie ihre heimat sobald nicht wiedergesehen. eine oma der familie wwar geblieben, aber den ganzen hausrat, das haus was im besitz dieser familie war, war den aber wie ich erfuhr eigentlich relativ egal. das motto war: nichts wie weg von hier. stelle man sich das bitte mal vor man fährt in den urlaub und ändert binnen tagen sein gesamtes leben. man weiß man wird freunde und bekannte so schnell nicht wiedersehen dürfen (schließlich hat die stasi nach republikflüchtigen gefahndet). man verläßt seine heimat mit allem was man kennt und geht in ein land mit völlig anderer gesellschaft anderen menschen... schließlich auch für die zuhause gebliebenen ein schock...
andere haben riskiert, daß ihre ganze familie auseinandergerissen wird, weil sie mit schmiergeld und gefälschten papieren über die grenze geflüchtet sind, andere setzten ihr leben aufs spiel um mit einem ballon über diese blöde mauer zu kommen. es war sehr sehr riskant zu flüchten.
als erwachsener mensch war das leben und da komme ich zu zweitens, nicht schön in der ddr. klar hatten alle zu essen und die heizung machte wärme im überfluß und es gab kulturelle angebote. aber es ging nicht nur darum. man wollte große ideale umsetzen und ist letzlich gescheitert- schade! in diesem film wird eben alles so belächelt, so etwa wie: "toll, das warn zeiten, als es noch globus letscho gab und sonst nix weiter." oder"ananas in der büchse war mal was ganz besonderes" oder "westpakete" gerade westpakete- meingott damals haben menschen aus dem westen liebevoll dinge zusammengepackt- und wenn es nur diese geste war! aber man belächelt so was nicht, sondern man sollte sich mal freune, das alle "kleinen" leute diese mauer verschwinden lassen wollten! dieser film kommt da eher wie eine art disneyland daher und zeigt das achso tolle berlin. es geht eben nicht um die ddr sondern um wesentlich oberflächigere dinge. es geht um spreewälder gurken, nicht darum, daß es menschen gab, die sich in diesem weltpolitisch irrsinn ihren platz suchen wollten. solche filme halten das volk dumm. man soll doch den film sehen und denken" mensch waren das zeiten" oder "genauso war das in der ddr" einen alten dreck! es war nicht so!
überhaupt suchen die leute nicht zuletzt in dieser art filmen eine erklärung für das geschehene. dabei vergessen sie aber zu fragen, wie war es wirklich. ein beispiel einer anderen sparte: zur zeit gibt es wahnsinnig viele aussagenfade popmusik. man wird von jeanette bis catterfeld, bushido und co berieselt mit seichten, oder auch möchtegernbösen phrasen. niemanden scheint aber aufzufallen, daß die musik ohne die visuelle ebene jeglich tiefe und jeglicher ausdruck abhanden gekommen ist. wann gab es das letzte mal einen livegespielten musikauftritt im fernsehen. das fernsehen unterbreitet uns eine welt die so nicht ist.
und so ist es auch mit politischen sachen. ich halte es für unachtsam mit der deutschen geschichte so umzugehen. gab es denn mal eine sinnvolle öffentliche auseinandersetzung, warum z.b. die ddr der brd beigetreten ist. warum die ddr so schnell aufgelöst wurde? viele ossis wurden von der brd und dem schnellen geld des kapitalismus vollkommen aus der bahn geschleudert. heute sagen schon wieder einige sie hätten damals in der ddr schon das richtige gelernt im staatbürgerunterricht- der kapitalismus ist böse- und ist er böse- ja sehr sogar- denn was passiert im irak, was ist in afrika, was ist in den usa, in südamerika.
der film ist einfach seicht. klar man kann lachen, aber es ist einfach nicht lustig weil man lacht sich dabei selber aus. denken sie mal darüber nach und wenn sie lehrer sind, dann sehen sie filme wie "der geteilte himmel" "spur der Steine" lesen sie "das krokodil im nacken" oder werke von daniela dahn. hauptsache ist doch aber nicht irgendwelche theorien aufzustellen, wie man als bundesbürger in der öffentlichkeit zu seiner geschichte zu stehen hat. vielmehr müssen wir alle deutsche in unserer eigenen geschichte kramen. wenn jeder sich für das geschehene interressieren würde, so wäre manchmal mehr geholfen, etwas mehr menschliche wärme, etwas weniger raffgier, etwas mehr lebenslust und lebensmut täte uns doch ganz gut. wir hinterfragen uns doch alle viel zu oft, was die anderen denken- warum? es gibt nichts gutes außer man tut es- ich kann mich einfach nicht konkret genug ausdrücken- vielleicht schreib ich mal ein buch und gliedere mal alles sonst wirds zu wirr- tut mir leid aber der film ist kein lehrmaterial- eher clownerei |
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 | Luckydepoes [luckydepoes@terra.es] am 08.11.05 um 17:10 Uhr |
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Als Deutschlehrerin auf den Kanaren (die die DDR durch Freunde kennengelernt und besucht hat, als es sie noch gab) ist dieser Film eine sehr schöne Hilfe, um in der Schule über das Leben im kommunistischen Deutschland zu sprechen. Viele Westdeutsche wollen gar nichts darüber hören, wissen auch gar nichts vom Leben jenseits der Mauer. Wenn auch aus künstlerischer Freiheit nicht alles genauso dargestellt wurde, wie es im wirklichen Leben war, so bietet der Film doch einen guten Einblick in das Leben eines normalen DDR-Bürgers vor und nach der Wende. Vor allem darüber, wie die Menschen überhastet alles, was aus dem Osten kam, abgeschworen haben und als schlecht bezeichneten. Es ist gut, dass die Menschen aus der ehemaligen DDR in die Kinos gehen können und verstehen, dass der Film wie ein Spiegel ist, der sie zeigt, wie sie sich kurz nach der Wende radikal verändert haben, viel zu schnell. Ein anderer Besucher schrieb, er/sie könne sich nicht vorstellen, wieso diese Menschen in die Kinos gehen und über sich selbst lachen könnten. Hätten sie denn weinen sollen und alle schreien sollen: 'Gott o Gott, was wir denn alles falsch gemacht haben, wäre die DDR bloss noch da!'? Es ist nicht die Aufgabe dieses Films, die Geschichte zu korrigieren, sie erzählt lediglich ein (erfundenes) Schicksal. Und zeigt dabei sehr gut, was da politisch so falsch gemacht wurde. Wenn man sich den Film genau ansieht, gibt er so viele DDR-Details, dass er vollkommen zurecht den César für den besten europäischen Fil bekommen hat. Er hat mir sehr gut gefallen und auch meine Schüler haben, nachdem ich einige Stunden Vorarbeit gegeben hatte, den Film mit viel Vergnügen gesehen. |
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